Versuchen sie’s mal Andersrum


Als Chef oder Führungskraft überraschend und kreativ handeln…
 

„Versuchen Sie’s mal andersrum“ meint, nicht die Zahlen in den Vordergrund zu stellen, sondern den Umgang miteinander zu verbessern, dann verbessern sich auch die Zahlen.

Wie das gehen kann erläutert Deed Knerr in einem Kurzinterview.

andersrum

Versuchen Sie’s mal andersrum

CC: Derzeit läuft die TV-Sendereihe „Undercover Boss – Führungskräfte arbeiten verkleidet an der Basis im eigenen Unternehmen, um sich ein genaues Bild von der Arbeit zu verschaffen.“ Meinen Sie eine solche Vorgehensweise mit „Versuchen sie’s mal andersrum“?
Deed Knerr(DK) Nicht ganz, der Ansatz geht jedoch in eine ähnliche Richtung. Bei Anders ‚rum sollten Führende sich frei machen von den Dingen, die heute im Management so üblich sind und gelehrt werden. Leitende müssen Ihren Job neu interpretieren. Sie müssen wissen, wen sie führen. Sie müssen sich selbst ein Bild machen und müssen sich bewegen. Anders’rum betrachten

CC: Was meinen sie mit sich bewegen?
DK.: Ich meine, dass heutige Führungskräfte, Inhaber oder Geschäftsführer in kleinen und mittelständischen Unternehmen sich nicht auf Informationen von anderen verlassen sollten, sondern selbst in ihrem Unternehmen unterwegs sind. Für die Mitarbeiter anwesend und ansprechbar. Dass sie sich in der Werkstatt genauso auskennen wie in ihrem Büro.

CC: Was heisst das denn in der Praxis?

DK: Für mich heisst das ein Anknüpfen an alte unternehmerische Tugenden. Hört sich komisch an, aber mir schwebt da der Vater meiner Jugendfreundin vor. Der jeden Morgen einen Gang durchs Werksgelände gemacht hat und jeden Arbeiter bei Namen kannte kannte. Und seine Sekretärin war auch darauf geeicht ihm die anstehenden Geburtstage rechtzeitig zu geben. Die Arbeiter im Werk wiederum kannten ihn und für die war er der „Herr Dokter“, mit dem man auch mal über Privates schnacken konnte.
CC: Das ist aber sehr Old School, kann man eigentlich in einem Unternehmen so heute nicht mehr machen. Da spielt doch die Zeit als Resource eine ganz entscheidende Rolle.
DK: Tut mir leid, da muss ich widersprechen. Zeit und Aufmerksamkeit sind zwei der wichtigsten Werte geworden. Wenn Ihnen jemand Zeit widmet, dann ist das schon ein Wert an sich. Das sagt schon der Begriff widmen. Was bemängeln wir denn selbst? Wenn ein Arzt sich für uns keine Zeit genommen hat. Wenn wir am Schalter einfach „nur abgefertigt“ wurden. Wenn sich also ein Chef, ein Teamleiter Zeit für seine MA nimmt, dann zeigt er alleine dadurch schon, dass er sie schätzt, dass er sie wahrnimmt und zwar täglich und nicht nur im jährlichen Mitarbeitergespräch. Firmen, Unternehmen sollten vermehrt an dieser Kultur arbeiten.
CC: Was meinen sie mit Kultur.
DK. Ich benutze jetzt schon wieder etwas, was von ganz weit her kommt, scheinbar werde ich konservativ, aber nein, ich meine Kultur im Sinne von etwas anbauen, etwas pflegen, den Acker bestellen, selbst etwas gestalten und nicht im Sinne einer Norm, die es gilt zu erfüllen. Jedes Unternehmen, jede Abteilung hat ihre eigene Kultur, auch wenn sie es gar nicht bewusst wahrnimmt, sie wird geprägt durch die, die daran teilnehmen. Auch durch den Humor der in so einer Abteilung unterwegs ist.
CC: Und die, die sich nicht darauf einlassen?
DK: Wie sie wissen kann man nicht „nicht kommunizieren“ und so können sie auch an einer Gemeinschaft nicht „nicht teilnehmen“. Neue Impulse werden Veränderungen nach sich ziehen. Neue Ideen werden auch die allbekannten Nörgler irgendwann neugierig werden lassen.

CC: Danke dass sie ihre Gedanken mit uns geteilt haben.